08.04.2019

Gesundheitsausgaben: Jeden Tag über eine Milliarde Euro

Seit Jahren steigen hierzulande die Ausgaben für die Gesundheit. Wie aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes belegen, wurde auch in 2017 wieder ein neuer Höchstwert erreicht. Auch die Verbraucher haben noch nie so viel bezahlt wie im genannten Jahr.

(verpd) Jedes Jahr veröffentlicht das Statistische Bundesamt die Gesamtausgaben für die Gesundheit. Laut aktuellen Zahlen lag der Wert in 2017 bei fast 375,6 Milliarden Euro, der bisher höchste Wert, seitdem diese Statistik erstellt wird. Und auch in 2018 wird wieder eine Steigerung erwartet. Doch obwohl rund zwei Drittel der Gesundheitsausgaben von den gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen übernommen werden, tragen alleine die Bürger hierzulande 50,8 Milliarden Euro der Kosten.

 

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) vor Kurzem mitteilte, wurde in Deutschland noch nie zuvor so viel für die Gesundheit ausgegeben wie in 2017. Im genannten Jahr beliefen sich die Gesundheitsausgaben auf insgesamt knapp 375,6 Milliarden Euro. Das war gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um 4,7 Prozent beziehungsweise 16,9 Milliarden Euro und ist der bisher höchste Wert seit Beginn der statistischen Erfassung der Gesundheitsausgaben in dieser Form im Jahr 1992.

 

Damit wird hierzulande zum ersten Mal mehr als eine Milliarde Euro pro Tag für die Gesundheit ausgegeben. Allerdings prognostizieren die Statistiker auch bereits für 2018 einen erneuten Anstieg der Gesundheitsausgaben um 3,2 Prozent auf dann rund 387,2 Milliarden Euro. Einen Hauptteil, nämlich über drei Viertel der Kosten, tragen die gesetzlichen und privaten Kranken- und Pflegeversicherungen. Doch auch der Bürger zahlt rund ein Siebtel der Kosten aus seiner Tasche.

 

50,8 Milliarden Euro von privaten Haushalten bezahlt

 

Konkret wurden 57,0 Prozent der Gesamtausgaben beziehungsweise knapp 214,2 Milliarden Euro von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sowie 9,9 Prozent, also 37,2 Milliarden Euro, von der sozialen Pflegeversicherung übernommen. 8,4 Prozent und damit 31,6 Milliarden Euro der Ausgaben trugen die privaten Kranken- und Pflegeversicherungen. Die privaten Haushalte, also die Bürger, sowie private Organisationen ohne Erwerbszweck wie Vereine oder Religionsgemeinschaften zahlten über 50,8 Milliarden Euro und damit 13,5 Prozent der Ausgaben.

 

Weitere Ausgabenzahler sind die öffentlichen Haushalte, also Bund, Länder und Gemeinden, mit 15,7 Milliarden Euro, was einem Gesamtausgabenanteil von 4,2 Prozent entspricht. Auch Arbeitgeber übernahmen 4,1 Prozent beziehungsweise nicht ganz 15,6 Milliarden Euro der Gesundheitsausgaben. 1,5 Prozent und damit 5,7 Milliarden Euro trugen die gesetzliche Unfallversicherung und 1,2 Prozent, das waren nicht ganz 4,7 Milliarden Euro, die gesetzliche Rentenversicherung. Den größten Ausgabenzuwachs verzeichnete die soziale Pflegeversicherung mit 26,4 Prozent.

 

Mit großem Abstand folgten dann die privaten Haushalte und privaten Organisationen mit 3,9 Prozent, die Arbeitgeber mit fast 3,7 Prozent, die gesetzliche Rentenversicherung mit 3,6 Prozent, die gesetzliche Krankenversicherung mit 3,4 Prozent, die gesetzliche Unfallversicherung mit knapp 3,0 Prozent und die private Krankenversicherung mit rund 1,9 Prozent. Einzig die öffentlichen Haushalte übernahmen in 2017 weniger Gesundheitsausgaben als noch im Jahr zuvor, und zwar reduzierten sich deren Ausgaben um 7,4 Prozent.

 

Ambulanter Bereich verursachte fast 50 Prozent der Ausgaben

 

Knapp die Hälfte der gesamten Gesundheitsausgaben, nämlich 185,5 Milliarden Euro, entfielen auf Güter und Dienstleistungen in ambulanten Einrichtungen wie Apotheken, Arztpraxen und auf ambulante Pflegedienste. Die Ausgabenzunahme gegenüber 2016 betrug hier rund 2,9 Prozent. Unter anderem fielen 2017 in Apotheken circa 49,3 Milliarden Euro, in Arztpraxen etwa 55,0 Milliarden Euro, in Zahnarztpraxen rund 26,7 Milliarden Euro sowie für die ambulante Pflege 19,4 Milliarden Euro an Ausgaben an.

 

Rund 138,4 Milliarden Euro an Ausgaben, das sind weit mehr als ein Drittel der Gesamtausgaben, sind den stationären und teilstationäre Einrichtungen zuzurechnen (plus 4,2 Prozent). Für Leistungen in Krankenhäusern betrugen die Ausgaben 94,7 Milliarden Euro, in (teil-)stationären Pflegeeinrichtungen knapp 34,0 Milliarden Euro und in Vorsorge- und Reha-Einrichtungen 9,7 Milliarden Euro. Auf private Haushalte sowie auf sonstige Einrichtungen wie Taxiunternehmen, die zum Beispiel Krankenfahrten durchführen, entfielen 16,8 Milliarden Euro an Ausgaben.

 

Dies entsprach einem Ausgabenzuwachs von 47,0 Prozent gegenüber 2016. Allein die Ausgaben für pflegerische Leistungen an Privatpersonen wie Pflegegeld stiegen hier um über 62,5 Prozent. Die Verwaltungsausgaben lagen bei 19,3 Milliarden Euro, die Investitionsausgaben wie Investitionen der öffentlichen Haushalte für Krankenhäuser sowie für Forschung und Ausbildung im Gesundheitswesen bei fast 7,0 Milliarden Euro. Bei den Rettungsdiensten wurden 4,8 Milliarden Euro ausgegeben und für den Gesundheitsschutz wie Lebensmittelkontrollen und Arbeitsschutz 2,0 Milliarden Euro.

 

Private Kostenabsicherung ist möglich

 

2017 zahlte jeder Bürger von den 4.544 Euro Gesundheitskosten, die er rein rechnerisch im Durchschnitt verursachte, bereits rund 615 Euro aus der eigenen Tasche und damit 3,5 Prozent mehr als in 2016. Noch nicht mit eingerechnet sind hier die eventuell gezahlten Beiträge für die gesetzliche Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung.

 

Es gibt jedoch Versicherungslösungen, mit denen man zahlreiche Gesundheitskosten, die selbst zu tragen sind, absichern kann. Dazu gehören beispielsweise private Krankenzusatz-Versicherungen für die Bereiche Brillen, Heilpraktiker sowie Zahnarzt und Zahnersatz, aber auch für den Eigenanteil von verordneten Arznei-, Verbands- und Heilmitteln wie Massagen.

 

Bei stationären Behandlungen lassen Zusatzkosten, die die GKV nicht übernimmt, beispielsweise für Einzelzimmer-Unterbringung oder Chefarztbehandlung, mit einer Krankenhauszusatz-Versicherung abdecken. Für eine finanzielle Absicherung im Falle einer Pflegebedürftigkeit empfiehlt sich eine private Pflegezusatz-Versicherung, die je nach Vertragsgestaltung auch mit staatlichen Zuschüssen gefördert wird. Ein Versicherungsexperte hilft dabei, den passenden Kostenschutz für den individuellen Bedarf und die persönlichen Wünsche zu finden.