02.12.2019

Krank durch den ausgeübten Beruf

Wird man als Arbeitnehmer durch die Ausübung des Berufes krank, hat man unter Umständen einen Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Was es dabei zu beachten gibt.

(verpd) Wer aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit erkrankt, kann, sofern bestimmte Kriterien erfüllt sind, mit einer Unterstützung der gesetzlichen Unfallversicherung rechnen, um wieder fit für die Arbeit zu werden. Auch eine gesetzliche Unfallrente ist möglich, aber nur wenn eine anerkannte Berufskrankheit zu einer dauerhaften Erwerbsminderung von mindestens 20 Prozent geführt hat und die versicherungs-rechtlichen Voraussetzungen gegeben sind. Das Verfahren um einen Leistungsanspruch dauert oft Monate.

 

Letztes Jahr gab es nach der Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e.V. (DGUV) fast 77.900 Verdachtsfälle, dass bei Erwerbstätigen eine anerkannte Berufskrankheit vorliegt. Das waren knapp 3,6 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Und auch im ersten Halbjahr 2019 waren es bereits über 41.700 Berufskrankheits-Verdachtsfälle. Das war im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2017 sogar eine Zunahme um 4,2 Prozent.

 

Allerdings erfüllten von den in 2018 knapp 77.900 gemeldeten Verdachtsfällen nur rund 19.700 Betroffene, und damit nur etwa ein Viertel aller Fälle, die notwendigen Voraussetzungen, um einen Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung zu erhalten. Bei mehr als der Hälfte, nämlich in 38.000 Fällen, handelte es sich nicht um eine anerkannte Berufskrankheit und bei einem weiteren Viertel der Verdachtsfälle hatten die Betroffenen nicht die notwendigen versicherungs-rechtlichen Voraussetzungen.

 

Nicht jede Krankheit kann eine Berufskrankheit sein

 

Eine Krankheit gilt nur dann als anerkannte Berufskrankheit, wenn sie in der Anlage der Berufskrankheiten-Verordnung verzeichnet ist. Diese Berufskrankheitenliste umfasst derzeit rund 80 Krankheitstatbestände. Viele typische Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Leiden und Muskel- oder Skeletterkrankungen sind keine anerkannten Berufskrankheiten, da sie nicht ausschließlich durch eine berufliche Tätigkeit, sondern auch durch den sonstigen Lebenswandel ausgelöst werden können.

 

Steht eine Krankheit nicht in der Berufskrankheitenliste, wird sie nur im Einzelfall als Berufskrankheit anerkannt. Dazu müssen laut DGUV „neue Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft vorliegen, die belegen, dass für eine bestimmte Personengruppe arbeitsbedingt ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer bestimmten Gesundheitsstörung zu erkranken, besteht“.

 

Um die versicherungs-rechtlichen Vorrausetzungen zu erfüllen, muss der Betroffene auch gesetzlich unfallversichert sein. Während Arbeitnehmer in der Regel gesetzlich unfallversichert sind, haben zum Beispiel Selbstständige und freiberuflich Tätige, sofern sie weder freiwillig noch kraft Gesetzes gesetzlich unfallversichert sind, keinen solchen gesetzlichen Unfallschutz.

 

Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung

 

Bei denjenigen, die an einer anerkannten Berufskrankheit leiden und die versicherungs-rechtlichen Voraussetzungen erfüllen, übernimmt die gesetzliche Unfallversicherung zum Beispiel die Kosten für die medizinische Versorgung, für eine berufliche Wiedereingliederung sowie ein Verletztengeld. Auch eine gesetzliche Unfallrente ist möglich. Allerdings muss dazu die anerkannte Berufskrankheit zu einer dauerhaften Minderung der Erwerbsfähigkeit um wenigstens 20 Prozent geführt haben.

 

Bei einer 100-prozentigen Erwerbsminderung hat man Anspruch auf eine sogenannte Vollrente. Die Höhe beträgt maximal zwei Drittel des Jahresarbeits-Verdienstes, den der Betroffene vor Eintritt der Berufskrankheit erzielt hatte. Liegt die Erwerbsminderung zwischen 20 bis unter 100 Prozent, besteht ein Anspruch auf eine Teilrente. Deren Höhe hängt vom Grad der Erwerbsminderung ab – wer beispielsweise zu 50 Prozent erwerbsgemindert ist, erhält 50 Prozent der Vollrente und damit ein Drittel des Jahresarbeits-Verdienstes.

 

Einige Leistungen der gesetzliche Unfallversicherung sind im Vergleich zu anderen Sozialversicherungen wie der gesetzlichen Renten- oder Krankenversicherung besser. So ist das Verletztengeld der DGUV, das bei Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer Berufskrankheit oder eines Arbeitsunfalles nach der Arbeitgeber-Lohnfortzahlung gezahlt wird, meist höher als das Krankengeld der gesetzlichen Krankenversicherung. Zudem entfallen die Zuzahlungen für einen stationären Krankenhausaufenthalt, wie sie normalerweise ein gesetzlich Krankenversicherter zahlen müsste.

 

Was beim Verdacht auf eine Berufskrankheit zu tun ist

 

Hat man eine Vermutung, dass man an einer Berufskrankheit leidet, sollte man dies vom Arzt abklären lassen. Besteht ein Verdacht, dass man an einer Berufskrankheit leidet, muss dies dem Träger der gesetzlichen Unfallversicherung wie der Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse gemeldet werden. Die Meldung kann vom behandelnden Arzt, vom Arbeitgeber oder auch vom Betroffenen selbst abgegeben werden. Der Betroffene kann dies formlos dem Unfallversicherungs-Träger melden.

 

Der gesetzliche Unfallversicherer prüft dann, oft unter Zuhilfenahme eines Gutachters, inwieweit es sich hier um eine anerkannte Berufskrankheit handelt und ob der Betroffene auch die versicherungs-rechtlichen Voraussetzungen erfüllt. Dieses Feststellungsverfahren kann mehrere Monate in Anspruch nehmen. 2016 lag die durchschnittliche Verfahrensdauer laut DGUV bei fünf Monaten.

 

Ist man mit der Entscheidung nicht einverstanden, kann man binnen eines Monats nach der Mitteilung Widerspruch einlegen und – sollte der Widerspruch zurückgewiesen werden – auch gegen die Entscheidung vor dem Sozialversicherungs-Gericht klagen. Hintergrund-Informationen zum Thema Berufskrankheiten und zur Beantragung entsprechender gesetzlicher Unfallversicherungs-Leistungen gibt es im Webportal der DGUV sowie im kostenlos downloadbaren Flyer „Berufskrankheiten – Fragen und Antworten“ und Erklärungsvideo des DGUV.

 

Kein gesetzlicher Rundumschutz

 

Übrigens hatten nur sechs Prozent der Verdachtsfälle in 2018 letztendlich auch einen Anspruch auf eine Unfallrente. Doch auch wenn ein Betroffener zum Beispiel eine gesetzliche Unfallrente aufgrund einer vorliegenden Berufskrankheit erhält, muss er mit Einkommenseinbußen im Vergleich zum bisherigen Einkommen rechnen. So ist die Unfallrente auf jeden Fall niedriger als das bisherige Einkommen.

 

Und selbst wenn man neben der gesetzlichen Unfallrente aufgrund der Erwerbsminderung eine Erwerbsminderungsrente von der gesetzlichen Rentenversicherung erhält, bleibt die Rentenleistung insgesamt immer niedriger als das bisherige Einkommen. Denn die beiden Rentenarten dürfen zusammen einen bestimmten Grenzbetrag nicht übersteigen – die gesetzliche Erwerbsminderungsrente wird gegebenenfalls entsprechend gekürzt.

 

Lösungen, um sowohl einen fehlenden als auch unzureichenden gesetzlichen Versicherungsschutz im Fall eines Unfalles oder einer Krankheit abzusichern und so Einkommenseinbußen zu verhindern, bietet die private Versicherungswirtschaft an. Sinnvoll können beispielsweise eine private Unfall-, eine Erwerbs- oder Berufsunfähigkeits- und/oder auch eine Krankentagegeld-Versicherung sein. Ein Versicherungsexperte berät auf Wunsch, welche der Absicherungsvarianten für den individuellen Bedarf sinnvoll ist.