02.12.2019

Das Vermögen steigt, die Vermögensungleichheit bleibt

Zwar ist im Durchschnitt das Vermögen der Bürger hierzulande in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Allerdings ist auch die ungleiche Vermögensverteilung innerhalb der Bevölkerung weiterhin hoch.

(verpd) Das gesamte Nettovermögen der Privathaushalte in Deutschland hat sich von 2012 bis 2017 um fast 25 Prozent erhöht. Allerdings besitzen zehn Prozent der Bürger weit mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens, fast 30 Prozent haben dagegen gar kein Vermögen. Dies ergab eine Umfrage unter 30.000 Privatpersonen ab 17 Jahren.

 

Das gesamte Nettovermögen der Privatpersonen ab 17 Jahren ist in Deutschland seit 2012 von 5.920 Milliarden Euro auf 7.390 Milliarden Euro in 2017 und damit um fast 25 Prozent gestiegen. Rechnet man die Kraftfahrzeuge der Privatpersonen hinzu, betrug das Nettogesamtvermögen in 2017 sogar 7.776 Milliarden Euro. Das Nettovermögen ist das gesamte Vermögen abzüglich bestehender Verbindlichkeiten wie Konsumenten- und/oder Hypothekenkrediten. Im Durchschnitt hatte damit jede Privatperson ab 17 Jahren 2017 ein Nettovermögen von fast 102.870 Euro ohne Kraftfahrzeuge.

 

Das sind fast 22 Prozent mehr als noch in 2012. Unter Einbeziehung der Kfz waren es durchschnittlich circa 108.450 Euro. Dies zeigt eine jüngst veröffentlichte Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin) auf Basis von Daten des Soziooekonomischen Panels (SOEP). Befragt wurden dazu rund 30.000 Personen ab 17 Jahren in 15.000 Privathaushalten. Allerdings verdeutlicht die Untersuchung auch, dass die meisten viel weniger besitzen, als der Durchschnittswert vermuten lässt.

 

Jeder Zweite hat weniger als 26.300 Euro an Vermögen

 

Der Median der Vermögensverteilung – dies ist das Nettovermögen mit vorhandenen Kraftfahrzeugen, das 50 Prozent der Bevölkerung unter- und die anderen 50 Prozent überschreiten – liegt nämlich gerade einmal bei 26.260 Euro. Das heißt, die ärmere Hälfte der Bevölkerung hat inklusive von Fahrzeugen, Immobilien und sonstigen Vermögenswerten wie Sparguthaben, Vermögen aus Versicherungen und Sachvermögen wie Schmuck ein Gesamtnettovermögen von höchstens 26.260 Euro je Person.

 

Die Untersuchung zeigt, dass fast 15 Prozent der Bürger ab 17 Jahren gar kein Nettovermögen besitzen. Über sechs Prozent haben sogar mehr Verbindlichkeiten als Vermögen.

 

Bezieht man die Kraftfahrzeuge der Privatpersonen nicht mit ein, beträgt der Median nur 20.010 Euro. Hier liegt der Anteil der ab 17-jährigen Personen, die kein Vermögen haben, sogar bei über 22 Prozent. Fast sieben Prozent der Bürger haben nur Schulden. Die ärmere Hälfte aller Bürger besaß 2017 insgesamt anteilig nur 1,3 Prozent des Nettovermögens. Den reichsten zehn Prozent der Privatpersonen gehörte dagegen mehr als die Hälfte, nämlich 56 Prozent des Nettogesamtvermögens.

 

Betongold und Versicherungen

 

Ein entscheidendes Kriterium, der die Vermögensverteilung stark beeinflusst, ist der Immobilienbesitz. Personen, die über eine selbst genutzte Immobilie verfügen – das waren 2017 rund 39 Prozent der Erwachsenen – hatten im Durchschnitt ein Vermögen von rund 225.000 Euro. Sie waren damit fast zehnmal vermögender als Personen ohne Immobilienbesitz, die zur Miete wohnten; deren Vermögen lag im Schnitt bei 24.000 Euro.

 

Das durchschnittliche Nettovermögen eines Immobilienbesitzers, der keine Immobilienhypothek mehr zu bezahlen hatte, lag bei fast 280.000 Euro, mit einer Hypothek waren es immerhin noch rund 164.000 Euro. Im Durchschnitt lag der Bruttowert einer selbst genutzten Immobilie in 2017 bei rund 170.000 Euro je Person. Der Bruttovermögenswert einer selbst genutzten Immobilie nahm von 2012 bis 2017 im Schnitt um fast 22 Prozent zu.

 

Auch der Anstieg der Vermögensansprüche, die Personen aus Versicherungsverträgen wie private Lebens- und Rentenversicherungen haben, war hoch. Je Vermögensbesitzer waren dies in 2017 rund 21.400 Euro im Schnitt und damit 26 Prozent mehr als noch fünf Jahre davor.

 

Vermögensanstieg durch Immobilien und Betriebsvermögen

 

Zudem wirken sich Vermögenswerte wie sonstige Immobilien oder Betriebsvermögen, dazu gehört der Besitz von Einzelunternehmen und Beteiligungen an Personen- oder Kapitalgesellschaften abzüglich betrieblicher Verbindlichkeiten, stark auf das Durchschnittsvermögen aus. Allerdings besitzen diese Vermögenswerte im Schnitt fast nur Bürger, die über dem Median liegen. Je mehr Vermögen jemand hat, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass derjenige über die genannten Vermögensarten verfügt.

 

Durchschnittlich lag der Vermögenswert je Person bei sonstigen Immobilien, also beispielsweise Mietshäusern bei knapp 196.000 Euro und beim Betriebsvermögen bei rund 244.000 Euro. Der Wertzuwachs von 2012 bis 2017 betrug durchschnittlich bei den sonstigen Immobilien rund 16 Prozent und beim Betriebsvermögen fast 23 Prozent.

 

„Den Vermögensanstieg trieben vor allem Wertsteigerungen beim Betriebsvermögen und bei Immobilien. Die Vermögensungleichheit verharrt seit zehn Jahren auf einem auch im internationalen Vergleich hohen Niveau“, so die Aussage des DIW-Berichts zur Studie. Des Weiteren wird im Bericht betont, dass innerhalb des Euroraums Deutschland neben Lettland und Irland die höchste Vermögensungleichheit aufweist.

 

Individuelle finanzielle Absicherung

 

Auch wenn es im Allgemeinen interessant ist, wie hoch die Vermögensungleichheit hierzulande ist, ist es für den Einzelnen jedoch wichtiger zu wissen, wie seine finanzielle Situation aktuell und in Zukunft aussehen wird. Jeder sollte sich beispielsweise informieren, mit welchen Leistungen und Einkommen er beispielsweise bei einer eintretenden Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit oder im Rentenalter rechnen kann.

 

Auch an die finanzielle Absicherung der eigenen Kinder und/oder des Partners im Fall des eigenen Ablebens sollte gedacht werden. Zahlreiche Risiken, die beispielsweise die finanzielle Existenz kosten können, wie ein Hausbrand, ein schwerer Unfall oder eine Krankheit, die zu einer dauerhaften Erwerbsunfähigkeit führt, lassen sich zumindest finanziell mit den richtigen Versicherungspolicen absichern. Da die gesetzliche Rente nicht ausreichen wird, ist es zudem wichtig, mit einer ausreichenden Altersvorsorge seinen gewohnten Lebensstandard auch im Rentenalter abzusichern.

 

Ein Versicherungsexperte kann bei der Ermittlung des jeweiligen Vorsorgebedarfs mit entsprechenden Berechnungen weiterhelfen. Je nach Sparziel und persönlicher Vorsorgestrategie bietet die Versicherungswirtschaft zudem individuell passende Anlage- und Absicherungslösungen an. Zum Teil unterstützt auch der Staat mit Geldzulagen und Steuervorteilen die Sparanstrengungen beispielsweise hinsichtlich einer ausreichenden Altersvorsorge.